Am heutigen Abend stand das für beide Mannschaften wichtige Abstiegsduell zwischen dem FC St. Pauli und Alemannia Aachen auf dem Programm. Aachen mit starken Ergebnissen in den letzten Wochen, leider verzerrte Tabelle durch einige offene Nachholspiele, St. Pauli mit ebenso sehr guten Resultaten gegen starke Teams (Saarbrücken, Verl, 1860 München). Trotzdem befanden sich beide Teams mittendrin im Abstiegskampf. 1 Platz, auf Grund des Torverhältnisses, trennte beide Mannschaften.
Die Fans waren heiß, das Stadion gut gefüllt und beide Mannschaften versprachen alles zu geben. Hier stand sehr viel auf dem Spiel heute, das sollte jedem am Millerntor bekannt sein.
Aachen versuchte sofort die Kontrolle zu übernehmen, doch St. Pauli war von Beginn an hellwach. Schön vorgetragene Angriffe wurden sofort von den Verteidigungsreihen neutralisiert. Spielerisch war die Alemannia hier das bessere Team, kämpferisch eindeutig der FC St. Pauli. Allerdings waren die Torchancen der Gastgeber nicht wirklich erwähnenswert. Meist waren dies Fernschüsse, da Aachens Abwehr wunderbar funktionierte. Koen Casteels war stets auf dem Posten und hatte wenig Mühe mit diesen harmlosen Torschüssen. Mit fortlaufender Spieldauer übernahm immer mehr die Alemannia die Kontrolle. Beste Torchancen wurden fahrlässig liegengelassen. Teilweise war der Rasen auch extremst schlecht zu bespielen. Als sich die Fans schon mit einem 0:0 zur Pause so langsam abfanden, pfiff der Schiedsrichter, wohlgemerkt abseits des Geschehns, Strafstoss für den FC St. Pauli. Alle, wirklich alle Spieler, auf dem Platz schauten ratlos und verstanden nicht was dort gerade passiert war. Schiedsrichter Hauenstein entschied auf Strafstoss, nachdem Tausendpfund einfach nur im Strafraum stand und sein Gegenüber über ihn hinwegstolperte. Eine riesige Verarsche hier auf dem Platz und vom Schiri. In solch einem wichtigen Spiel eine solche Fehlentscheidung ist absolut indiskutabel! Jedenfalls ließ sich der Gastgeber diese Möglichkeit nicht entgehen und Torwart Pliquet vollstreckte vom Punkt eiskalt zur 1:0 Führung. Jubel am Millerntor mit einem faden Beigeschmack.
Die ersten 45 Minuten waren allerdings noch nicht vorbei. Quasi direkt mit dem Wiederanstoss konnte Spielmacher-Torwart Ozkök nach einem schönen Querpass zum 1:1 hochverdient ausgleichen. Da gab es nichts daran zu deuteln. Anschließend pfiff Schiedsrichter Hauenstein zur Pause.
Zur Halbzeit sprach die Statistik von einem glücklichen Unentschieden, das Spiel selbst sprach aber von einem glücklichen Unentschieden. Denn Aachen hatte die klareren Tormöglichkeiten, auch wenn dies die Statistik verfälscht und St. Pauli das Glück des Tüchtigen in Form dieses Elfmetergeschenks.
Der Wiederanpfiff erfolgte und die Alemannia reagierte mit wütenden Angriffen. Sie übernahmen vollständig die Kontrolle des Spiels und ließen den FC St Pauli keine Luft mehr zum atmen. Chance um Chance wurde sich erarbeitet, aber auch Chance um Chance wurde versemmelt. Irgendwie war in den Offensivbemühungen der Wurm drin. Entweder hielt Pliquet sensationell oder ein Abwehrbein kratze den Ball noch von der Torlinie. Egal wie Aachen es versuchte, das Glück hatten sie heute nicht mit Löffeln gefressen. Die Zeit rann ihnen davon, die Kräfte schwanden und unsere Kaiserstädter hatten Glück in der 90. Minute nicht auch noch das 1:2 kassiert zu haben. Eine Riesenchance, die einzige in Halbzeit 2 für den FCSP, wurde vom Außennetz abgefangen. Dann pfiff der Schiri nach 95 Minuten ab und hinterließ unsichere Gesichter. Keiner wußte wofür dieser Punkt gut sein möge.
An der Abschluß-Statistik konnte man erkennen, dass Aachen in Halbzeit 2 das klar dominierende Team war. Der 1 mickrige Torschuss der Sankt Paulianer hätte mit ein wenig Glück auch das 2:1 bedeuten können. Am Ende trennte man sich 1:1 und war froh, dass dies überstanden war. Aachen nun seit nunmehr 4 Spielen unbesiegt. Was dieser Punkt wert sein möge, würde man morgen im Spiel gegen den FC Schönberg sehen.
Ohne Wenn und Aber war Pliquet der beste Mann auf dem Feld für den FC St. Pauli. Er machte ein überragendes Spiel und sicherte so seiner Mannschaft weiterhin vor der Alemannia zu stehen.
Aachens Abwehr war in dieser Partie eine einzige Katastrophe. Tausendpfud und M`Bock versagten heute auf ganzer Linie. Casteels, Höger und Ozkök waren die einzigen wirklichen, auffälligen Lichtblicke.
Trainerstimmen:
Trainer Boll: "Ich weiß nicht so recht, ob wir mit dem Punkt zufrieden sein können in der aktuellen Situation. Es war sowieso ein komisches Spiel. Wir hätten uns nicht beschweren können, wenn der Elfmeter nicht gegeben worden wäre. Alles in allem aber denke ich, dass ein Remis in Ordnung geht. Viel Erfolg noch an die Alemannia für die restlichen Spiele!"
Trainer eViL: "Ich bin masslos enttäuscht ob dieser grausamen Schiedsrichterleistung am heutigen Tag. Kann der Verband uns in einem solchen Spiel nicht einfach einmal einen vernünftigen Schiedsrichter zur Verfügung stellen? Mit meinen Abwehrleuten muss ich außerdem noch ein ernstes Wort sprechen, denn diese Leistung im Abstiegskampf grenz einfach an Unverschämtheit. Viel Erfolg noch an meinen Trainerkollegen und seinem Traditionsverein."