SpVgg Greuther Fürth – F.C. Hansa Rostock 3:4



  • Truo90
    deCoo

    2. Liga - 35. Saison - 3. Spieltag

    Adams (1)
    Vertessen (1)
    Woltemade (1)
    (2) Ingelsson
    (1) Lebeau
    (1) Brobbey
    Zuschauer: 19.900

    S P I E L B E R I C H T

    Hansa-Houdini am Ronhof: Lebeau krönt den Rostocker Wahnsinn


    Was für eine Achterbahnfahrt der Gefühle! In einer Partie, die eigentlich schon verloren schien, bewies die Kogge eine fast schon unverschämte Moral und entführte nach einem dramatischen 4:3-Erfolg (2:2) alle drei Punkte aus dem Ronhof. Greuther Fürth rieb sich nach dem Schlusspfiff ungläubig die Augen – man hatte das Spiel lange im Griff, nur um am Ende von der Rostocker Urgewalt überrollt zu werden.

    Dabei sah es zunächst nach einer Rostocker Machtdemonstration aus. Hansa begann bärenstark, kontrollierte das Geschehen mit einer Ballbesitzquote von letztlich 56 % und ließ die Kugel gefällig durch die eigenen Reihen zirkulieren. Doch Fußball ist manchmal ein grausamer Sport: Mit der ersten echten Torchance stellte Vertessen (29.) den Spielverlauf völlig auf den Kopf. Plötzlich waren die Hausherren obenauf, spielten sich in einen Rausch und legten durch Adams (35.) eiskalt zum 2:0 nach.

    Doch wer die Kogge in dieser Saison vorzeitig abschreibt, wird bestraft. Kurz vor dem Pausentee wurde der FCH schlagartig wach. Angeführt vom späteren „Spieler des Spiels“ Brian Brobbey (Note 8,5), der als bulliger Fixpunkt die Fürther Abwehr zermürbte, gelang das fast Unmögliche: Ein Doppelschlag durch Svante Ingelsson (41.) und eben jenen Brobbey (43.) egalisierte die Partie binnen 120 Sekunden. Ein psychologischer Nackenschlag für das Kleeblatt, von dem sie sich in der Kabine erst einmal erholen mussten.

    Nach dem Seitenwechsel entwickelte sich ein munteres Scheibenschießen. Ingelsson (60.) schnürte den Doppelpack und brachte Hansa erstmals in Führung, doch Woltemade (69.) antwortete für Fürth prompt zum 3:3. Es war ein offener Schlagabtausch, der sich auch in den Statistiken widerspiegelte: Während Fürth mit 24 abgefangenen Bällen leidenschaftlich verteidigte, bestach Hansa durch eine Passgenauigkeit von 86 % (Fürth: 88 %) und eine deutlich höhere Dribbling-Erfolgsquote von 95 %.

    In der Schlussphase, als sich beide Teams eigentlich schon mit dem Remis abzufinden schienen, schlug die Stunde von Adrian Lebeau. In der 87. Minute nutzte er die schwindenden Kräfte der Fürther Defensive und schob zum 4:3-Siegtreffer ein. Die Zahlen untermauern den am Ende verdienten Erfolg der Gäste: Ein xGoals-Wert von 3,5 (Fürth: 2,0) zeigt deutlich, dass die Kogge die qualitativ hochwertigeren Chancen kreierte. Hansa war zudem einen Tick schneller im Kopf und in den Beinen, was die Ballrückeroberungs-Zeit von 7 Sekunden (Fürth: 8) unterstreicht.

    Trotz der Fürther Überlegenheit in den direkten Zweikämpfen (11 zu 17) und der größeren Anzahl an Paraden (2 zu 1), blieb die Effizienz auf Seiten der Mecklenburger. Hansa bewies in diesem munteren Hin-und-Her den längeren Atem und eine Schusspräzision von 75 %, die am Ende den Ausschlag zugunsten der Gäste gab.

    Spieler des Spiels: Brian Brobbey (Note 8,5). Der bullige Stürmer war der personifizierte Albtraum für die Fürther Innenverteidigung. Mit einem Tor, einer Vorlage und seiner unnachahmlichen Fähigkeit, Bälle festzumachen, war er der Architekt der Rostocker Aufholjagd.