DAS Topspiel des 10. Spieltags



  • Ihr hattet mal wieder die Wahl und habt am Ende knapp zu Gunsten der Regionalliga Süd entschieden. Das Spitzenspiel der kommenden Woche steigt daher in Worms, wo die heimisch Wormatia zu einem kleinen Derby in Rheinland-Pfalz die TuS aus Koblenz erwartet. Für beide geht es um den Anschluss an die Aufstiegsplätze.

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    Wie bei vielen Regionalligisten ist die große Zeit der Wormatia vorbei. Gegründet wurde der Club 1922 als Zusammenschluss zweier Clubs, deren Historie bis 1908 zurück reicht. Die Wormatia startete in den 20er und 30 Jahren in der höchsten Liga Hessens und war dabei sowas wie die dominante Mannschaft. Zwischen 1928 und 1940 wurde das Team viermal Hessenmeister, stand sechsmal in der Endrunde um die süddeutsche Meisterschaft und gelangte dreimal in die Endrunde um die deutsche Meisterschaft. Dazu gab es mit Jacob Eckert und Willi Winkler zwei Spieler, die es sogar in Sepp Herbergers Notizbuch schafften und vor dem Krieg jeweils ein Länderspiel absolvierten.
    Nach dem Krieg war die große Zeit der Wormatia dann vorbei. Zwar erreichte man noch zweimal die Endrunde um die deutsche Meisterschaft (1949/1955), letztlich versank die Truppe aber in den 50er und 60er Jahren weitesgehend in der Bedeutungslosigkeit. Zwar erreichte man 1965 nochmal die Aufstiegsrunde zur Bundesliga, letztlich rückte man trotz eines kurzen Intermezzos in der zweiten Liga (1974/75) erst 1977 wieder in den größeren Fokus der Öffentlichkeit. Von 1977 bis 1982 spielte man in Liga zwei, nur um dann durch finanzielle Unregelmäßigkeiten wieder in der sportlichen Bedeutungslosigkeit zu verschwinden. Finanzielle Probleme, mangelnder sportlicher Erfolg und das eine oder andere "Lokal"-Skandälchen ließen den Verein bis in die Verbandsliga in Rheinland-Pfalz abstürzen. Erst unter Ex-Profi Demir Hotic gelang 1998 wieder der Aufstieg in die Oberliga. Dort dümpelte die Wormatia so vor sich hin, umging mehr als einmal knapp dem Abstieg und wurde sowas wie die Lichtgestalt der Oberliga SüdWest.
    2011 gelang dann der Aufstieg in die Regionalliga Süd des VDFB, in der Ralf Allgöwer die Geschicke des Clubs übernommen hat. Auf Anhieb gelang ihm als Aufsteiger ein respektabler fünfter Tabellenrang.

    In der aktuellen Saison läuft es für die Allgöwer-Truppe ganz passabel. In acht Ligaspielen gab es bisher vier Siege und nur eine Niederlage. Vor allem die letzte Partie war ein voller Erfolg, schließlich fertigte man den FC Augsburg klar mit 4:0 ab. Allerdings folgen nun die Wochen der Wahrheit: nacheinander geht es für die Wormatia gegen Buchbach, Koblenz, Kassel und Feucht. Wahrscheinlich wird man dann am 13. Spieltag wissen, ob die Wormatia bereit ist für den Aufstieg. Dafür ist die Truppe im Pokal schon raus, denn schon in der aller ersten Partie war es aus. Gegen Göttingen gab es ein 1:2
    Interessant ist, dass die Wormatia quasi dem Kader des Vorjahres entspricht. Lediglich die Keeper wurden ausgetauscht und mit Christian Meyer aus Schweinfurt ein neuer Mann verpflichtet. Star der Truppe ist allerdings Stürmer Lucas Oppermann. Der pfeilschnelle Stürmer ist nicht nur der stärkste Spieler im Kader, sondern mit sieben Saisontoren auch der Treffsicherste des Kaders. Prunkstück ist allerdings die Defensive, denn bisher kassierte die Wormatia gerade mal neun Gegentore. Dürfte also spannend sein, ob die TuS da was ändern kann.

    Ähnlich wie die Wormatia ist die TuS Koblenz sowas wie ein Traditionsverein im Südwesten der Republik. Gegründet als TuS Neuendorf im Jahre 1934, gehen die Wurzeln der TuS zurück bis ins Jahr 1910, auch wenn sich der Club selbst auf den FV Neuendorf von 1911 bezieht. Tus Koblenz heißt der Verein aber erst seit 1982. Vor dem Krieg trat der Club kaum in Erscheinung und war nur lokalen Beobachtern bekannt, doch das änderte sich nach dem zweiten Weltkrieg. In den 50er Jahren war der Clubs dann Dauergast in der damaligen Oberliga Südwest und quasi gebucht auf den zweiten Platz hinter dem ewigen Rivalen 1.FC Kaiserslautern. Dreimal schaffte man es gar in die Endrunde um deutsche Meisterschaft, scheiterte aber alle drei Male vorzeitig. 1957 stieg man aus der Oberliga ab, konnte aber sofort wieder aufsteigen. Doch in Erscheinung trat die Truppe kaum mehr und wurde so mit Gründung der Bundesliga in den Unterbau, die Regionalliga Südwest eingestuft und gehörte dort zu den besseren Teams. Zweimal wurde man Vizemeister, scheiterte aber jeweils in der Aufstiegsrunde zur 1. Liga. 1974 scheiterte man an der Qualifikation für die neue zweite Bundesliga und verschwand in der sportlichen Bedeutungslosigkeit. Streckenweise ging es in den 80er Jahren hinunter bis in die fünfte Liga. 1994 gelang die Rückkehr in die vierte Liga, die damaliga Oberliga Südwest. Einmal verpasste man den Aufstieg in die Regionalliga und kam sogar in finanzielle Schwierigkeiten. Dennoch stieg man 2004 in die Regionalliga Süd und qualifizierte sich 2005 für die Regionalliga Süd des VDFB. Dieser Liga gehört der Club erst als dritte Liga, später als vierte Liga an. Auch der Weg im VDFB war von finanziellen Schwierigkeiten und vielen Trainerwechseln geprägt. Robin Kern ist aktuell der 17. Trainer in neuen Jahren VDFB, gleich zweimal musste der Verein sogar trainerlos seine Saison beenden.

    Auch für die TuS von Robin Kern läuft es aktuell. Fünf Siege in acht Spielen sorgen dafür, dass die TuS in Schlagdistanz zu den Aufstiegsrängen steht. Lediglich im letzten Spitzenspiel gegen Buchbach gab es mit einem 1:3 eine herbe Pleite. Und gegen Unterhaching gab es ein 4:4, so dass man zumindest anzweifeln muss, ob defensiv schon die Klasse für Liga drei gegeben ist. Vorteil für Koblenz ist, dass die Spitzenteams immer mit etwas Abstand kommen, so dass man immer etwas Luft hat. um sich zu erholen und neues Selbstbewußtsein zu holen. Nicht so gut sieht es im Pokal aus, auch wenn das 0:1 in Mönchengladbach sehr, sehr knapp war. Transfertechnisch hält sich die TuS von Robin Kern derzeit zurück. Lediglich der Verkauf von Keeper Julian Reinhard steht aktuell in den Büchern. Die Zurückhaltung der TuS ist einfach erklärt, denn das Konto ist leer, was aber durchaus an den Vorgängern liegt, denn im allein in der Saison 2012 hat die TuS fast eine Million für neue Spieler ausgegeben.
    Star der Truppe ist Stürmer Torsten Oehrl. Der kopfballstarke Mittelstürmer ist nicht nur der beste Spieler im Kader, sondern mit acht Saisontreffern auch der beste Torjäger im stärksten Mannschaftsteil der TuS, denn es geht nichts über die Offensive.


    Direkte Duelle zwischen den Clubs gab es nur in der letzten Saison. In Worms gewann die Wormatia mit 2:0, in Koblenz gab es ein trostloses 0:0.
    Ob es direkte Duelle zwischen den Trainern gab, ist nich bekannt.



    Auch wenn es nicht für eine Audio-Pressekonferenz reichte, so äußerten sich beide Trainer doch sehr ausführlich zu diesem Spiel. Beide Trainer beurteilen die aktuelle Saison positiv, wenn auch aus unterschiedlichen Perspektiven. Die Wormatia agiert nach dem Motto "das zweite Jahr in der Liga ist das Schwerste" und will vor allem so schnell wie möglich den nötigen Abstand zu den Abstiegsrängen gewinnen. Doch nach der tollen Saison gibt Ralf Allgöwer unumwunden zu: "Unser Ziel ist der einstellige Tabellenplatz." Allerdings wird man wohl genaueres wissen, wenn man "die wahren Prüfsteine" der Liga gemeistert hat,
    In Koblenz sieht man die Dinge ähnlich positiv. "Es ist zwar noch Luft nach oben, " so Robin Kern, aber das Team sei auf einem guten Wege und habe schon angedeutet, dass es das Zeug zum Aufstieg hat und man daher lange oben mitspielen kann.
    Bezug nehmand auf das direkte Duell legt der Koblenzer Trainer den Fokus auf das eigene Team. "Für uns ist es wichtig hinten wieder konstanter zu stehen," meinte Kern, vor allem in Anspielung auf die vielen Gegentore in den letzten beiden Spielen. Wenn man das beherzigt und vorne "eiskalt vor dem Tor ist", dann ist sich der Koblenzer Trainer sicher, dass man die anvisierten drei Punkte mit an Rhein und Mosel nimmt. Viel Respekt bringt Ralf Allgöwer seinem Kontrahenten entgegen und sieht sein Team -trotz der Bilanz des Vorjahres- als "Underdog" in diesem Duell und nimmt diese Rolle gerne an. Für die Wormatia gilt es daher sich auf die Stärken in der Defensive zu fokussieren. Einen Punkt will man aber auf jeden Fall mitnehmen, dennoch mahnt Allgöwer: "Es gab meist immer ein Gegentor, somit ist ein eigenes Tor hier Pflicht, um mindestens einen Punkt mitzunehmen."

    Fragen wurden den beiden Trainern auch in Bezug auf die weiteren Kaderplanungen gestellt, denn beide haben noch nicht viel an ihren Kadern gedreht. In Worms sieht man dazu auch keine Veranlassung, denn der aktuelle Kader scheint zu funktionieren. "Wir starten auch im zweiten Regionalliga-Jahr mit dem Oberligateam," sagt Allgöwer nicht ohne Stolz und da sein Team "genial" funktioniert, sieht er auch keine Veranlassung etwas zu ändern. Ledgilich die Keeper hat er bisher jedes Jahr getauscht, aber auch jedes Mal mit dem tausch gute Erfahrungen gemacht. Daher sieht er die Verpflichtung von Christian Meyer sehr positiv.
    Anders sieht die Grundsituation in Koblenz aus. Auf Grund der Fehler der Vorgänger ist der Verein so gut wie pleite und man hat wenig Geld, um das Team zu verstärken. Allerdings sieht Robin Kern auch keine Veranlassung dazu, denn die Saison läuft. "Die Mannschaft ist eingespielt" ist sich Robien Kern sicher, von daher ist er sich auch sicher, dass sein Team die schwache Besetzung der Torhüterposition kompensieren wird. Die Ausgangsposition sei nicht ideal, aber auch nicht schlecht.

    Soviel von den beiden Trainern, möge das Spiel beginnen und der Bessere gewinnen.