TSV Havelse – FC Viktoria Köln 2:3



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    Kevinho1909

    3. Liga - 34. Saison - 23. Spieltag

    Adamyan (2)
    (1) Corboz
    (2) Berisha
    Zuschauer: 4.800

    S P I E L B E R I C H T

    23. Spieltag – TSV Havelse vs. Viktoria Köln 2:3 (2:1)

    Höhenberg zittert, Havelse dominiert – und am Ende jubelt doch die Viktoria.

    Die Vorzeichen waren eindeutig: Tabellenzweiter gegen einen sichtlich angespannten Gast aus Köln. Schon vor Anpfiff war im Gästeblock Skepsis zu spüren – ob sich diese Auswärtsfahrt wirklich lohnen würde? Die Antwort lieferte der Fußball selbst. Brutal ehrlich, gnadenlos und wie so oft: ungerecht.

    Havelse von Beginn an tonangebend
    Der TSV Havelse übernahm vom Anpfiff weg die Kontrolle. Druckvoll, zielstrebig und mit klaren Abläufen schnürten die Gastgeber die Viktoria in deren Hälfte ein. Folgerichtig fiel früh der Führungstreffer: In der 6. Minute war es Adamyan, der eine Unachtsamkeit der Kölner Defensive eiskalt bestrafte und zum 1:0 einschob.

    Auch danach blieb das Spielbild unverändert. Havelse kombinierte, Köln verteidigte – und konnte sich nur mit vereinzelten Entlastungsversuchen befreien. Doch Fußball ist eben kein Bewertungssystem für Ballbesitz und Dominanz, sondern ein Spiel der Momente.

    Kölns Glücksmoment – und Havelses Antwort
    In der 26. Minute dann der erste Nadelstich der Gäste: Berisha wurde mit einem perfekt getimten diagonalen Laufpass zwischen die Innenverteidiger geschickt, nahm den Ball kurz vor dem Torwart sauber an und schob halbhoch zum schmeichelhaften 1:1 ein.

    Die Antwort des TSV ließ jedoch nicht lange auf sich warten. Kurz vor der Pause zeigte Adamyan erneut seine ganze Klasse. Ein Lupfer über die Abwehr, eine Defensive im Tiefschlaf – und der Angreifer vollendete souverän oben links in den Winkel. 2:1 Havelse, hochverdient.

    Kastenmeier gegen den Rest der Welt
    Nach dem Seitenwechsel wurde das Kräfteverhältnis fast grotesk. Havelse rannte an, erspielte Chance um Chance – doch im Tor der Viktoria stand ein Mann, der einen Ausnahmeabend erwischt hatte: Florian Kastenmeier. Parade um Parade hielt er seine Mannschaft im Spiel und avancierte endgültig zur tragischen Hauptfigur für den TSV.

    Bis zur 70. Minute schien es, als spiele Havelse gegen zehn Feldspieler – und einen Torhüter, der das Spiel seines Lebens machte.

    Dusel, Drama und ein spätes Wunder
    Und dann kam die 82. Minute. Köln wagte mal wieder einen Angriff – und profitierte von einem kapitalen Abwehrfehler. Berisha blieb cool, setzte zum Lupfer an und somehow, irgendwie, tatsächlich: Der Ball landete im Netz. 2:2. Unglaublich.

    Der TSV war geschockt, die Viktoria plötzlich wieder da. Und es kam noch schlimmer für die Gastgeber: In der 89. Minute sah Corboz auf links den Flügelspieler, die Hereingabe segelte in den Strafraum – und am Elfmeterpunkt stand ein Kölner goldrichtig. Abschluss, Tor, 3:2 für Viktoria Köln. Ein Spiel, das niemand mehr für möglich gehalten hatte, war endgültig auf den Kopf gestellt.

    Abpfiff, Fassungslosigkeit und große Worte
    Die letzten Minuten spielten die Gäste clever herunter. Abpfiff. Jubel im Kölner Block, Fassungslosigkeit auf Seiten des TSV Havelse. Nach dem Spiel zeigten beide Trainer Größe. In Köln entschuldigte man sich fast für diesen Sieg und erkannte offen an, dass Havelse die klar bessere Mannschaft war.

    Trainer Kevinho brachte es später ehrlich und gewohnt selbstkritisch auf den Punkt:
    „Es ist unglaublich, was heute hier passiert ist. Meine Spieler haben gekämpft wie Löwen. Wir haben heute nicht unser Können gezeigt – sondern die Siegesgöttin Viktoria hat uns, entschuldigen Sie den Ausdruck, den Arsch gerettet. Dem TSV Havelse wünschen wir alles Gute im Aufstiegskampf. Das war ein harter, aber fairer Schlagabtausch.“

    Ein Spiel, das niemand vergessen wird. Nicht wegen der Dominanz – sondern wegen der gnadenlosen Effizienz des Zufalls.